Vorwiegend heiter“, das galt nicht nur für das Wetter, sondern auch für die Stimmung der 14 Mitglieder der Segelabteilung, die vom 16. bis 23. Juni mit drei Booten von Greifswald aus um die größte deutsche Ostseeinsel (600 km Küstenlinie) segelten. Abteilungsvorsitzender Guido Steinert hatte in geschickten Verhandlungen mit dem Vercharterer einen „Mengenrabatt“ herausgeholt

Nach Übernahme der Schiffe „Karen“ „Scala“ und „Wiebke“ der Typen Bavaria 38H, Hanse 401 und Bavaria 36 (Länge zwischen 11 und 12 m) wurden zunächst Kleidung, Ausrüstung, Lebensmittel und Erfrischungsgetränke an Bord verstaut. Die Erwartung, daß irgendetwas an Bord von Charterschiffen immer fehlt oder reparaturbedürftig ist, erfüllte sich nicht. Alle drei Yachten waren in gutem Zustand und teilweise überkomplett ausgerüstet (Radar, Autopilot, farbiger Kartenplotter, Backofen). Lediglich die Informationen über die Brückenöffnungszeiten waren nicht mehr aktuell. Aber das merkten wir erst am nächsten Tag.

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Am späten Nachmittag des Anreisetages wurde ein gemeinsamer Spaziergang durch Greifswald-Wieck unternommen, der zu einem Restaurant an der Klappbrücke führte, in dem nicht nur Fischgerichte zu erstaunlich günstigen Preisen serviert wurden.

Nach dem Ablegen am folgenden Morgen und dem obligatorischen Manöverschluck (Sherry oder Schierker Feuerstein) konnten sich die Besatzungen beim Kreuzen im Greifswalder Bodden mit ihren Schiffen und den Besonderheiten des Segelreviers vertraut machen, um dann abends Stralsund anzulaufen. Weil „Wiebke“ zwei heftige Gewitter mit Starkregen und schlechter Sicht abwettern mußte und zusätzlich durch einen Zwischenstopp in Lauterbach in Zeitverzug geraten war, konnte die Klappbrücke vor Stralsund erst bei der letzten Öffnung am Abend passiert werden. An der Brücke angekommen, verkündete die Brückenwärterin, dass diese Öffnungszeit gestrichen worden sei, so dass die Besatzung der „Wiebke“ den Zielhafen nicht mehr erreichte und auf Landgang in Stralsund (Weltkulturerbe) verzichten mußte. Kompensiert wurde dies durch Esskultur in Form eines späten Abendessens mit den von Winfried vorbereiteten leckeren Rouladen.

Bei Schwachwind aus Norden ging es am nächsten Morgen mit allen drei Schiffen unter Motor nach Vitte auf Hiddensee. Nur wenige Meter neben dem schmalen Fahrwasser können die Möwen schon stehen. Wegen des recht starken Fährverkehrs musste häufig am Rand der Fahrrinne entlang gesteuert werden, deshalb galt es besonders auf die Wassertiefe zu achten. Ein Spaziergang auf Hiddensee lässt verstehen, warum so viele Künstler die Insel zu ihrem Domizil gemacht haben. Die Westseite erinnert an Sylt, die Ostseite sieht eher dänisch aus. Hiddensee ist autofrei. Während die Crew von „Karen“ vergeblich versuchte, mittels Kunststoffröhrchen ein 6-Liter-Bierfäßchen zu lenzen, nutzte Claus die Gelegenheit, sein Marathon-Training wieder aufzunehmen und lief eben mal von Vitte zum Leuchtturm Dornbusch und zurück. Der Yachthafen Vitte Lange Ort blieb uns wegen seiner vielen Reglementierungen in Erinnerung. („Beim Duschen Fenster öffnen!“ und ähnliches.)

Der nächste Abschnitt des Törns führte uns bei günstigen Winden, die zeitweise den Einsatz des Autopiloten erlaubten, um Kap Arkona nach Glowe, wo uns ein moderner Yachthafen mit großzügigen Einrichtungen erwartete. Eine am langen Sandstrand gelegene, architektonisch reizvolle Glashalle aus DDR-Zeiten verfällt leider. Hauptattraktion des Ortes ist eine Mutter- und Kind -Kurklinik, die sogar im Hafenhandbuch als Ansteuerungspunkt aufgeführt ist. Ein typischer Dialog: „Möchtest du Katharina nicht die Schaufel zurückgeben?“ – „Nein!“ - „Möchtest du eine Ohrfeige?“ – „Ja!“. Empfehlenswert: Sanddorn-Eisbecher oder Sanddornlikör, wegen der Vitamine. Wir erlebten einen beeindruckenden Sonnenuntergang.

Von Glowe aus ging es bei gutem Wind von vorn am folgenden Tag weiter um die Halbinsel Jasmund nach Süden. Gelegenheit, die Schiffe einmal ordentlich „auf die Backe“ zu legen! Hier kamen die Schotenzupfer so richtig auf ihre Kosten. Die berühmten Felsen der Stubbenkammer präsentierten sich nicht ganz so weiß wie auf den Bildern von Caspar David Friedrich. Kulturexperten an Bord behaupteten, die Kreidefelsen würden seit der Wende nur noch einmal im Jahr frisch gestrichen. Abends erreichte „Wiebke“ als das letzte der drei Schiffe nach 62 Seemeilen die etwas verzwickte Hafeneinfahrt von Seedorf. Begleitet von den guten Ratschlägen einiger punschtrinkender Motorbootfahrer „Da müsst ihr mit Vollgas rein!“ wurde in einer der engen Boxen festgemacht. Im Garten eines Restaurants konnte das Wiedersehen mit den Crews von „Scala“ und „Karen“ gefeiert werden. 

Weil der Wetterbericht eine Unwetterwarnung für den übernächsten Tag ausgab, wurde entschieden, bereits am nächsten Tag den Heimathafen anzusteuern. Der Morgen begann mit einem Hauch von Abenteuer: Der Sanitärcontainer am Hafen stammte offenbar noch aus der Zeit, als Vitus Bering auszog, um zwischen Russland und Alaska eine Straße nach sich benennen zu lassen. Wer mit den für die Zeit nach dem Wecken üblichen Sehstörungen Dusche und WC aufsuchte, lief Gefahr, gleich hinter der Tür in einen linoleumbedeckten Abgrund zu stürzen.

Bei leichtem Dunst und schwachem Wind machten wir nach weiteren 21 Seemeilen durch flache, aber gut betonnte Boddengewässer in Greifswald-Wieck fest, tankten und begannen, das Schiff für die Übergabe vorzubereiten.

Durch die vorzeitige Rückkehr nach Greifswald bot sich die Gelegenheit, am letzten Tag des Törns mit dem Auto Ausflüge in die Umgebung zu unternehmen z.B. nach Peenemünde und in die Innenstadt von Greifswald.

Nachdem ein Taucher keine Schäden am Unterschiff festgestellt hatte, waren dann nur noch die Boote abzugeben und die Fahrt in die Heimat konnte beginnen.

Unsere Erfahrung: Im Revier Rund Rügen kommt man als Segler voll auf seine Kosten. Allerdings sollte man sich an die gekennzeichneten Fahrwasser halten. Insbesondere in den Boddengewässern wimmelt es von den natürlichen Feinden des Seglers (nein, nicht Surfer). Gemeint sind Untiefen und gesperrte bzw. zu meidende Gebiete (Fischfang, Naturschutz, Militär). Hilfreich war hier der farbige Kartenplotter am Steuerrad, der den gerade benötigten Kartenausschnitt mit Kurslinie und Betonnung anzeigt. Die Landschaft ist abwechslungsreich, es gibt viele interessante Häfen, die sich überwiegend in gutem Zustand befinden. In den Gaststätten wird man fast überall freundlich und professionell bedient. Die Essens- und Getränkepreise sind häufig günstiger als in den alten Bundesländern. 

Mast- und Schotbruch! F.Jos. Drepper

 

Flotillensegeln rund um Rügen

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